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Ausstellungsbus »1989 [Unser Aufbruch] 2009«

Der »Historyliner«

Grafik: »1989 [Unser Aubruch] 2009: Eine bewegende Geschichte auf Tour«

Titel der Ausstellung
(© SK)

Mehrere Zehntausend Besucher haben in den Jahren 2009 und 2010 den Ausstellungsbus der Sächsischen Staatsregierung und des Sächsischen Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen über die Ereignisse des Herbstes `89 besucht. Die Ausstellung mit dem Titel »1989 [Unser Aufbruch] 2009« tourte in einem 18 Meter langen umgebauten Linienbus durch Sachsen. Sie würdigte die Friedliche Revolution als einzige erfolgreiche Freiheitsrevolution der Deutschen. Im Ausstellungsbus kamen zahlreiche Zeitzeugen zu Wort, die 1989 aus ganz unterschiedlichen Beweggründen gegen die SED-Herrschaft opponierten. Fünf Multimedia-Stationen gaben Interviews von Zeitzeugen und historische Mitschnitte wieder. Darüber hinaus konnten sich die Besucher über eine digitale Sachsenkarte interaktiv über die damaligen Ereignisse in ihrer Region informieren.

Die Ausstellung zielte nicht primär auf eine umfassende und vollständige Chronologie der Ereignisse in Sachsen. Es wurden vielmehr für die Umbruchzeit typische Situationen herausgegriffen. Dies betraf sowohl die ausgewählten Personen als auch die Orte, die exemplarisch für die Gesamtentwicklung stehen. Die Behandlung der Themen erfolgte vorwiegend anhand der Darstellung einzelner Menschen und ihres Widerstandes gegen die SED-Herrschaft. Die Ausstellung war in drei Themenbereiche gegliedert: Im ersten Teil erfolgte eine Bestandsaufnahme des DDR-Alltags in den 1980er Jahren. Im zweiten Teil folgte eine ereignisgeschichtliche, chronologische Betrachtung der Umbruchsereignisse. Der dritte Teil stellte ähnlich wie der erste anhand verschiedener Aspekte eine Art Bilanz der Friedlichen Revolution dar.

Sachsen – Wiege der Friedlichen Revolution

Grafik: Bus »1989 [Unser Aubruch] 2009«

Grafik: Bus »1989 [Unser Aubruch] 2009«
(© SK)

Die Friedliche Revolution 1989 ist ein herausragendes Ereignis der deutschen Geschichte. Die Ostdeutschen brachten die SED-Diktatur zu Fall und schufen so die Voraussetzung für das Ende der deutschen Teilung. Die Menschen in den damaligen Bezirken Leipzig, Dresden und Karl-Marx-Stadt hatten einen großen Anteil daran. Ohne die Ereignisse in Plauen, Dresden, Leipzig und anderen sächsischen Städten und Gemeinden wäre der Weg zur Deutschen Einheit letztendlich nicht möglich gewesen.

Viele Menschen erlebten die bewegenden Herbstereignisse als Aufbruch und Selbstbefreiung. Dass eine bewaffnete Diktatur mit friedlichen Mitteln beseitigt und ein Geheimdienst durch Bürgerkomitees entmachtet werden kann, ohne dass Rache das Handeln bestimmt, wirkt weit über den Herbst '89 hinaus. Freies Denken und Handeln konnten sich wieder entfalten. Zusammen mit den osteuropäischen Reformbewegungen bewirkte die Friedliche Revolution die Überwindung des Eisernen Vorhangs. Der Weg zu einem vereinten Europa war frei.

Portraits einiger Personen aus der Ausstellung

Was diese und andere Menschen erlebt haben, erfahren Sie in der Ausstellung.
(© SK)

Eröffnet wurde die Ausstellung am 7. Mai – am 20. Jahrestag der letzten Kommunalwahlen in der DDR, bei denen die Oppositionsgruppen erstmals der Nachweis von Manipulationen erbringen konnten – vor dem Sächsischen Landtag mit Ministerpräsident Stanislaw Tillich, dem Präsidenten des Sächsischen Landtages, Erich Iltgen, und Michael Beleites, dem Sächsischen Landesbeauftragten für die Unterlagen der Staatssicherheit der ehemaligen DDR.

Tillich sagte zur Eröffnung: »Eine demokratische Kultur braucht Vorbilder und Traditionen, an denen wir uns orientieren können. Die Friedliche Revolution von 1989 hält all das bereit. Wir haben deshalb für die Ausstellung nach Menschen gesucht, die die damalige Zeit erlebt und aktiv mitgestaltet haben. Sie sprechen in der Ausstellung über ihre Erfahrungen, ihre Siege oder Niederlagen, über ihre Schmerzen und ihre Erfolge. Ihre Lebensgeschichten erzählen davon, auf welch unterschiedlichen Wegen sie zum Engagement für Freiheit und Demokratie gekommen sind. Sachsen ist das Kernland der Friedlichen Revolution. Es liegt daher auf der Hand, dass in der Ausstellung viele Sachsen zu Wort kommen, ihre persönliche Geschichte erzählen und davon berichten, wie an vielen verschiedenen Orten im Freistaat die Friedliche Revolution mit voran getrieben worden ist. Mich haben die Schilderungen sehr beeindruckt: Diese Lebensgeschichten erzählen davon, auf welch unterschiedlichen Wegen die Menschen sich damals zum Engagement für Freiheit und Demokratie entschieden haben.«

Parallel zur Tour des Bussesder bot der Sächsische Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen in den Ausstellungsorten  auch noch ein neues Projekt für Schulen an. »Alles auf Hoffnung« war eine Performance, die die Friedliche Revolution in die Klassenzimmer holte. Dazu hatte Theaterdramaturgin Heike Müller-Merten zusammen mit Dresdner und Leipziger Schauspielern ein Stück entwickelt, das mit authentischen Dokumenten und Originaltönen die damalige Atmosphäre für Jugendliche erfahrbar machte. Die Schauspieler schafften einen sinnlichen Zugang zu den Ereignissen und erlaubten einen Blick aus verschiedenen Perspektiven. Das kostenfreie Angebot richtete sich an alle sächsische Schulen.

Das inhaltliche Konzept der Ausstellung erstellte die Kuratorin Dr. Nancy Aris vom LStU. Kooperationspartner ist das Deutsche Rundfunkarchiv. Die Ausstellung entstand mit freundlicher Unterstützung von: Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur | Sächsisches Staatsarchiv | Die Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR | Robert-Havemann-Gesellschaft e. V. | Archiv Bürgerbewegung Leipzig e. V. | Bürgerkomitee Leipzig e. V. | Martin-Luther-King-Zentrum Werdau e. V. | Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e. V. an der Technischen Universität Dresden | Looks Film TV | LVR Industriemuseum Euskirchen.

Tourplan und Standorte

Der Ausstellungsbus in Freiberg (links) und Dresden (rechts).

Ende Juni 2009 machte der Ausstellungsbus, der Mitte Mai in Dresden (rechts) gestartet war, in Freiberg (links) Station.
(© avantgarde, Bonß/momentphoto)

Der Ausstellungsbus war bis 2011, als »Historyliner«,  an sächsischen Schulen unterwegs. Er lies die Schüler mit interaktiven Angeboten, Videos zur Wendezeit und originalen Belegstücken - eine willkommene Erweiterung zum Geschichtsunterricht - Geschichte erleben. Ab Juni 2010 koordinierte die Sächsische Jugendstiftung im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus und Sport die Ausstellungstermine.

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